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Allesfütterung? Ja bitte! ABER...

In meiner Praxis als Ernährungsberaterin und auch in meinem Futter-Lädchen merke ich immer wieder, wie verunsichert wirklich viele Hundehalter sind, wenn es um die Fütterung ihres Vierbeiners geht. Die verschiedenen Futter-Religionen leisten auf ihren Kreuzzügen im Internet ganze Dienste, wie es vor ca. 100 Jahren die Fertigfuttermittelindustrie gemacht hat. Füttert man nicht ausschließlich Fertigfutter, erleidet der Hund riesige Defizite, wird krank und stirbt einen frühen Tod. Füttert man nicht nach dem BARF-Konzept, stirbt der Hund viel zu früh, weil man ihn mit industriell hergestelltem Fertigfutter vollgestopft hat. Füttert man nur Trockenfutter, wird der Hund völlig austrocknen und qualvoll verdursten. Gibt man ihm nur Nassfutter, fängt er an zu stinken, weil da auch nur Abfall drin verarbeitet wird, weswegen er auch viel zu früh sterben wird. Es ist schon echt anstrengend geworden mittlerweile...seufz.

 

So...und nun? Wie macht denn ein Hundehalter, der ja nun in der Regel wirklich nur das Beste für seinen felligen Freund möchte, alles richtig, ohne in ständiger Panik leben zu müssen, ihn viel zu früh in's Grab zu bringen? Ich sage da ganz klar: DAS HÄNGT VOM INDIVIDUUM AB! Ganz viele Wege führen nach Rom und man muss ersteinmal immer schauen, was der eigene Hund am Besten verträgt, was er gerne mag, womit er fit ist und gut aussieht (weil das Fell eben u.a. ein guter Indikator für den Gesundheitszustand ist).

 

Ich bin seit einigen Jahren Allesfütterin, was nun wirklich keine neue Fütterungsreligion ist. Es gibt sie schon so lang, wie Menschen und Hunde zusammen leben. Aber dazu und wie ich meinen Weg gefunden habe in einem (oder mehreren) weiteren Blogartikeln, die ich für die Zukunft geplant habe.

 

Den meisten Hundehaltern, die ich berate, fällt ein großer Stein vom Herzen, wenn ich ihnen die Angst nehmen kann, etwas falsch zu machen. Anderen fällt ein, wie es früher war, als sie Kinder waren und der damalige Familienhund so oder so ähnlich gefüttert wurde...

 

Und nun zum ABER: Allesfüttern bedeutet nicht, einfach alles, was gerade da ist, in die Näpfe zu schmeißen. Davon abgesehen, dass es natürlich auch für Hunde giftige Dinge gibt, wie z. B. Schokolade (bzw. Kakao), muss man immer berücksichtigen, wie gesund oder ungesund man sich selbst ernährt – also, was vom eigenen Essen abfallen darf, und welchen Wissensstand man bzgl. der Lebensmittel hat. In unseren Supermärkten gibt es mittlerweile deutlich mehr Auswahl an verarbeiteten Lebensmitteln, als an Frischen. Und eine neue Gefahr kommt dadurch hinzu. Da ja in letzter Zeit unser Zuckerkonsum sehr in die Kritik geraten ist und alle möglichen Produkte nun mit „weniger Zucker“ beworben werden, wird die Gefahr immer größer, dass diese mit künstlichen Süßstoffen angereichert werden. Davon abgesehen, dass diese Süßstoffe auch für uns in der Regel alles andere als gesund sind, können sie für den Hund sogar gefährlich werden. Besonders das Xylit (also der Birkenzucker) ist für Hunde wirklich lebensbedrohlich, obwohl er für uns doch sogar von Vorteil ist (Kariesprophylaxe etc.). Also da möchte ich mittlerweile schon darauf hinweisen, einmal die Deklaration von Joghurts, Obstkonserven und Co. zu lesen, bevor der Hund etwas davon abbekommt. Man weiß nie, was so in unser Essen gepanscht wird...

 

Also, wer sich selbst über seine Ernährung nicht viele Gedanken macht oder sich einfach nicht damit auskennt, dem kann ich nur an's Herz legen, die Allesfütterung auf verschiedene Fertigfutter – egal ob Trocken- oder/und Nassfutter – zu beschränken und mit zusätzlich etwas Frischem aufzupeppen.

 

Wer sich mit der menschlichen Ernährung auskennt und sich vorwiegend von frischen Zutaten ernährt, darf da bitte gerne mutiger werden und seinen Hund auch von den guten frischen Sachen profitieren lassen. Aber auch da möchte berücksichtigt werden, dass Hunde durchaus etwas andere Bedarfswerte haben, als wir Menschen. Wer sich damit nicht einigermaßen auskennt, oder ganz einfach nicht die Zeit hat, es umzusetzen, ist auch mit einer guten Basis an Fertigfutter auf der sichereren Seite. Dafür darf aber der Anteil an frischer Nahrung auch höher ausfallen.

 

BARFer, die sich durchaus mit der Materie auskennen, aber trotzdem auf dem Boden geblieben sind, haben es da deutlich leichter. Ich habe auch viele Kunden, die BARF als Basis nehmen und zusätzlich noch andere Dinge füttern, die im Haushalt eben so abfallen. Oder welche, die die Mischfütterung aus BARF, Trocken- und Nassfutter praktizieren. Und nein, da spricht überhaupt nichts gegen, wenn es richtig gemacht wird.

 

Selbstverständlich darf ein Hund auch mal Pizza, Burger und Pommes haben – einfach weil es lecker ist. Aber jedem darf klar sein, dass es für den Hund genauso ungesund ist, wie für uns, sich ausschließlich davon zu ernähren. (Wobei die Pizza wahrscheinlich gar nicht so schlecht ist). Eine gute Hausmannskost ohne irgendwelche Fix-Produkte aus der Tüte wäre da schon eher geeignet.

 

In der Regel wird man im Internet recht schnell fündig darüber, was für Hunde giftig und nicht giftig ist und welche Fleisch- und Gemüsesorten eher roh oder besser gekocht oder vielleicht auch gar nicht verfüttert werden sollten. Vor einschlägigen selbsternannten „Fachkreisen“, die sogar Getreide, Milch und Brokkoli auf die Tox-Liste gesetzt haben, möchte ich jedoch warnen. Das hat nichts mit Wissen über die Hundeernährung zu tun, sondern ist reines Nachgeplapper von gefährlichem Halbwissen.

 

Bitte macht Euch schlau, wenn Ihr Euch bei dem einen oder anderen Lebensmittel nicht sicher seid. Es gibt viele unabhänge Ernährungsberater für Hunde, die sich auf den Hund als Individuum konzentrieren und nicht "die eine gültige Futterreligion" predigen – so halte ich es auch in meiner Praxis.

 

Immer daran denken:

Unsere Hunde sind schon lange keine Wölfe mehr – so wenig, wie wir Affen ;-)

Und jeder Hund ist ein Individuum – der eine verträgt etwas super, wovon ein anderer gleich Bauchweh bekommt.

 

In diesem Sinne – bleibt alle gesund

 

Eure Dörte Renner

von cani-feli

 

 

 

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